LGBT-Diskriminierung: Die ETH hat uns zensiert.

"ETH Zensur" im Stil des ETH-Logos

Für die neuste Augabe des ETH Magazins «life» wurde queer*z zum Thema Diversität und Inklusion interviewt. Zu lesen wird man uns trotzdem nicht bekommen. 


In der neusten Ausgabe des ETH Magazins «life» geht’s um Diversität und Inklusion. Dafür wurden wir von der ETH angefragt, um zu erzählen, wie es um die Inklusion von trans Menschen an der ETH steht. Es stellt sich heraus: da sieht’s nicht so gut aus.

Nach einem langen Interview, in dem wir über die diversen Hürden und Unterdrückungen sprachen, die wir als trans Menschen an der ETH erleben, hat die Redaktion unseren Beitrag wieder aus dem Artikel gestrichen – da er laut ETH nicht zu einem konstruktiven Diskurs beitrage. 

Wir sind keine Posterkinder für mehr Diversity-Points

Für uns ist klar: die ETH würde ganz gerne trans Menschen als Diversitäts-Trophäen herumzeigen, um sich progressiv zu geben. Aber trans Menschen, die ihre Rechte einfordern? Das ist etwas viel verlangt. 

Der Stein des Anstosses: Das Zitat, wegen dem die ETH unser Interview zurückzog.

Inklusion ist mehr als Wir-haben-uns-lieb.

Inklusion bedeutet – laut ETH – dass Vielfalt Normalität wird. Wir sind anderer Meinung: Vielfalt ist vorhanden und muss darum nicht Normalität gemacht werden – nicht alle entsprechen der Norm, und das ist gut so. Reale Inklusion bedeutet vielmehr aktives Abschaffen von diskriminierenden Strukturen.

Menschen mit den für sie falschen Pronomen anzusprechen, ihnen den Zugang zu WCs zu verweigern oder keine dritte Geschlechtsoption auf Uni-Dokumenten zuzulassen, ist Diskriminierung.

Vielschichtige Diskriminierung von trans Menschen an der ETH

An der ETH gibt es keine nicht-binäre Geschlechtsoption auf Uni-Dokumenten, und es gibt keine geschlechtsneutralen Umkleidekabinen. Es gibt laut der wiegEHTs?-Umfrage des VSETH trans Studierende, die mit falschem Namen, mit falschen Pronomen angesprochen werden. Für die Änderung des Geschlechtseintrages wird ein psychiatrisches Gutachten verlangt- ein nicht zu rechtfertigender Übergriff. All das ist Diskriminierung, die durch die ETH ausgeübt oder von ihr toleriert wird. 

Die ETH toleriert gewaltvolle und unterdrückende Strukturen und Praktiken. Solange die ETH ihre Augen vor dieser Realität verschliesst, können wir nicht mit gutem Gewissen so tun, als wären trans Menschen Posterkinder der Diversität. Inklusion ist halt kein simples «Man soll uns einfach so akzeptieren, wie wir sind!». Inklusion ist mehr als das: Es ist das Bewusstwerden, dass nicht alle die gleichen Chancen haben, und dass wir alle, die ETH als Institution miteingeschlossen, aktiv dazu beitragen müssen, diskriminierende Strukturen und Hindernisse zu beseitigen. 

Wenn wir an der ETH, aufgrund der Strukturen der ETH, Diskriminierung und Gewalt erleben, ist das keine Inklusion. Wir wünschen uns nicht einfach, dass unsere Pronomen akzeptiert werden – wir fordern, dass die ETH und ihre Mitglieder aufhört, uns mit Gewalt zu begegnen.

Ausführliche Berichterstattung zum Thema gibt’s bei der Zürcher Studierendenzeitung. Eine kurze Meldung ebenfalls bei 20min. Auch der Tagesanzeiger hat mittlerweile über die Geschichte berichtet.

Eine kritische Einordnung von Noemi Ehrat gibt’s ebenfalls bei der Zürcher Studierendenzeitung.


Presse: Fragen an info@queerz.ch, siehe auch infos auf queerz.ch und twitter (@vereinqueerz).