Thema Trans: An der Uni Zürich gibt’s viel zu tun.

Hauptgebäude der Uni Zürich.
Hauptgebäude der Uni Zürich.

UPDATE 9.3.2019: Seit der Publikation dieses Artikels hat die Universität bekanntgegeben, dass Namens und Geschlechtsmarkeränderungen nun einfacher möglich sind. Neu kann auch auf Diplomen ein vollständig selbstbestimmter Vorname verwendet werden. Die Änderungen haben wir in einem separaten Artikel erklärt.

Die Universität Zürich hat seit kurzem eine neue Diversity Policy. Das Papier macht klar: Jeder Mensch soll an der Universität gleichwertig und wertschätzend behandelt werden. Diskriminierung soll im Uni-Alltag keinen Platz finden.

Die Universität Zürich setzt sich aktiv und konsequent für die Förderung von Vielfalt sowie gegen Diskriminierung ein.

Universität Zürich (2018). Diversity Policy der Universität Zürich: Vielfalt fördern – leben – nutzen.

In vielen Bereichen hat die Universität Strukturen geschaffen, um verschiedenen Menschen chancengleichen Zugang zur Bildung zu gewähren. Sie hat zum Beispiel eine eigene Fachstelle Studium und Behinderung und setzt sich für die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie ein.

Trans an der UZH

Bestrebungen in Richtung Gleichstellung von trans Menschen sind im Moment noch eher spärlich vorhanden. Die Abteilung Gleichstellung und Diversität hat im HS18 mit der Veranstaltung Trans* an der UZH beleuchtet, was an der Uni zum Thema so läuft. Dabei wurde klar: Man ist bemüht, trans Menschen gleichzustellen, es bleibt aber noch viel zu tun. Im Moment arbeitet die Abteilung daran, Bedürfnisse verschiedener Personengruppen abzuklären, damit die Diversity Policy der Uni mit geeigneten Massnahmen umgesetzt werden kann.

An diesem Prozess nehmen auch wir vom Verein queer*z Teil. Wir wollen dabei auf die aus unserer Sicht wichtigsten Baustellen aufmerksam machen. Dieser Text soll verständlich aufzeigen, in welcher Form trans Menschen an der Universität Ungleichbehandlungen erfahren. Wir möchten auch Vorschläge machen, wie die Universität als gesamtes ihren Teil zur Gleichstellung von trans Menschen tun kann.

Legi und Diplome

Die Rechtslage ist klar: Trans Menschen dürfen ihren Namen und ihre Anrede selbstbestimmt wählen. Dazu brauchen sie nicht die Zustimmung vom Staat. Amtliche Änderungen von Namen und Geschlechtsmarker sind denn auch sehr aufwendig und mit hohen Kosten verbunden, weshalb viele trans Menschen einen falschen Eintrag im Pass haben. Im Alltag darf das aber keine Nachteile zur Folge haben.

Zwar haben trans Studierende an der Uni Zürich die Möglichkeit, Namen und Geschlechtseintrag abweichend vom amtlichen Ausweis zu verwenden. Ein Eintrag als weder männlich noch weiblich ist im Moment aber nicht möglich. Das schliesst Menschen aus, deren Geschlecht nicht einer dieser Kategorien entspricht.

Zeugnisse und Diplome können auf Antrag auch geschlechtsneutralisiert werden. Eine selbstbestimmte Namenswahl ist hier aber nicht möglich. Der amtliche Name wird vielmehr auf die erste Initiale gekürzt und Anreden wie Herr/Frau weggelassen.

Wer hat die Bringschuld?

Die dazugehörigen Richtlinien teilen die Beweislast klar der antragstellenden Person zu. So muss sie glaubhaft geltend machen, dass sie wirklich trans ist. Aus Angst vor Missbrauch wird dann noch untersucht, ob die Unterschrift der trans Person wirklich ihre eigene ist.

Damit die Verwaltung der Universität Zürich legitimiert ist, den amtlichen Registervornamen in die korrekte Vornamensinitiale zu verkürzen und die Geschlechtsmarker (z. B. «Frau», «Herr») zu neutralisieren, muss die Antragstellerin oder der Antragsteller dies schriftlich und mit Unterschrift beantragen und glaubhaft geltend machen, dass sie oder er eine Transgenderperson ist.

(…)

Damit die Verwaltung der Universität Zürich überprüfen kann, ob der Antrag wirklich von der antragstellenden Person stammt, wird die Unterschrift auf dem Antrag mit der Unterschrift gemäss persönlichem Ausweis oder mit Hilfe anderer Massnahmen verglichen. Damit soll ein allfälliger Missbrauch verhindert werden.

Universität Zürich (2013). Richtlinien zur Verwendung der Vornamensinitiale und zur Neutralisierung von Geschlechtsmarkern bei Transgenderpersonen.

Wir stellen uns klar auf die Position: Ein Antrag auf einen korrekten Namens- und Geschlechtseintrag soll nicht wie vermeintliches Verbrechen behandelt werden. Verbrecherisch unfair ist vielmehr, dass trans Menschen einen Sonderaufwand betreiben müssen, um von Institutionen und anderen Menschen wahrgenommen zu werden.

WC-Binarität aufbrechen!

Das binäre Geschlechtersystem ist eine Ideologie, die unseren Alltag wie kaum eine andere beeinflusst. Absurderweise knüpfen wir daran Dinge wie Kleidervorschriften, Lohnklassen und auf welches WC wir gehen. Das sollten wir vermehrt reflektieren. Denn gerade die Universität ist ein Ort, wo wir Dinge immer wieder kritisch hinterfragen wollen, weil wir so die Erkenntnis vorantreiben. Da ist es nicht sonderlich hilfreich, wenn die Einteilung in Männlein und Weiblein durch architektonische Massnahmen täglich aktiv zementiert wird. Drum: Es braucht geschlechtsneutrale WCs an der Uni.

Für trans Menschen ist die heutige Situation zudem ein grosser Stressfaktor. Nicht-binäre Menschen gehen per se leer aus, aber auch trans Männer und Frauen erfahren beim Gang auf die Toilette schräge Blicke, Anfeindungen und teilweise sogar Gewaltdrohungen. Dasselbe gilt auch im Hochschulsport ganz besonders. Für Menschen mit Körpern, die nicht der Norm entsprechen, kann die Umkleide extrem unangenehm sein. Viele trans Menschen können drum das breite Sportangebot des ASVZ gar nicht nutzen. Es braucht deshalb unbedingt auch geschlechtsneutrale Umkleidekabinen, wo niemand schräg angeschaut wird.

Gender? Komplett irrelevant

In vielen Situationen ist das Geschlecht einer Person nicht relevant. In diesen Situationen entsteht kein Mehrwert, wenn man auf das Geschlecht dieser Person hinweist. In Briefköpfen kann die Anrede Sehr geehrte Frau … verlustlos durch Guten Tag … ersetzt werden. Auch auf der Legi muss nicht Student oder Studentin stehen. Das grosse S in der Mitte reicht völlig aus, um auf die Hackordnung der Ausweisträgerin hinzuweisen.

Trans ist normal

Trans Menschen verbringen sehr viel Zeit damit, ihre Mitmenschen über allerlei Geschlechterzeugs aufzuklären. Viele müssen sich täglich dafür einsetzen, von ihren Kolleg*innen mit richtigen Namen und Pronomen angesprochen zu werden. Das ist anstrengend und unfair.

Trans muss Alltag werden. Es muss ganz normal sein, dass am Anfang des Semesters im Wahlmodul in der Vorstellungsrunde alle nebst dem Namen schnell ihr präferiertes Pronomen nennen. Geht zwei Sekunden und ist gratis.

Damit das klappt, braucht’s aber noch etwas Aufklärungsarbeit. Die Uni ist da in der Pflicht: Sie sollte klar machen, dass Dinge wie Pronomen-Runden und inklusive Sprache im 21. Jahrhundert eine Frage des grundlegenden Respekts unseren Mitmenschen gegenüber ist. Und sie sollte mit Infomaterial und Schulungsangeboten den Aufbau von inklusiven Strukturen bei der Arbeit und im Unterricht fördern.

Mit Diskriminierung umgehen

Leider stossen trans Menschen auch an der Uni Zürich auf Diskriminierung. Das ist nicht okay. Zwar hat die Abteilung Gleichstellung und Diversität in der Vergangenheit Betroffene unterstützt, diese Hilfeleistung ist aber informell und vielen Menschen nicht bekannt. Es braucht eine offizielle Anlaufstelle für Diskriminierungen (nicht nur für trans Menschen), die ausreichend bekannt ist – so wie das an der Uni z.B. für Betroffene von sexualisierter Gewalt schon existiert.

Unsere Forderungen in Kürze

  1. Selbstbestimmte Wahl von Namen und Geschlecht im SAP, auf Legis und Diplomen.
  2. Eine dritte Option für den Geschlechtseintrag.
  3. Falls mit Chancengleichheits-Monitoring vereinbar: Die Uni hört auf, das Geschlecht ihrer Angehörigen zu erheben.
  4. Flächendeckende Neutralisierung von Briefköpfen, wie das die Abteilung Studierende schon macht.
  5. Bereitstellung von Information und Unterstützungsangeboten zur Förderung der Inklusion von trans Menschen.
  6. Pronomen mitteilen überall dort, wo wir uns mit Namen vorstellen. Das gilt für Seminare, E-Mail-Signaturen, etc.
  7. Ein drittel der WCs geschlechtsneutral.
  8. Geschlechtsneutrale Umkleidekabinen im ASVZ.
  9. Eine Anlaufstelle bei Diskriminierungsfällen.